Dehydration: Was ich als Taucher wissen sollte

Unglaublich: Obwohl von einem Ozean von Wasser umgeben, läuft jeder Taucher grosser Gefahr auszutrocknen…

Symbolbild (Quelle: Pixabay)

Ausgetrocknet (dehydriert) zu sein bedeutet, dass der Körper nicht genug Flüssigkeit (Wasser) hat.
Auslöser dafür sind entweder eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme oder bzw. und hoher Flüssigkeitsverlust.
Dehydration kann zu ernsten Gesundheitsproblemen führen, da unser physiologisches System und die biochemischen Prozesse Wasser brauchen.

Was genau ist Dehydration?

Dehydration (Hypo Hydration, Dehydratation) bedeutet einen großen Verlust von Körperflüssigkeit.
Physiologisch gesehen verringert sich hierbei die Menge der Körperflüssigkeit, während die Anzahl der Blutkörperchen gleich bleibt. Das führt zu einer erhöhten Viskosität (Zähflüssigkeit) des Blutes – das Blut wird konzentrierter und dadurch dicker und zähflüssiger. Bei medizinischen Blutanalysen zeigt sich dies durch einen erhöhten Hämatokritwert.
Die Dehydration darf nicht verwechselt werden mit der Hypovolämie. Hypovolämie ist definiert als Gesamtvolumenverlust (mit einer Erniedrigung der Zellzahl) zum Beispiel im Rahmen einer starken Blutung. Der Hämatokrit wäre dann normal. Durch ihre geringere Körpermasse und die hoher Stoffwechselrate dehydrieren Kinder, aber auch ältere oder kranke Menschen, schneller.

Ursachen der Dehydration

Transpiration:
Durch Schwitzen verliert ein gesunder Mensch im Ruhezustand physiologisch ca. 200-400 ml Flüssigkeit pro Tag. Diese Menge kann durch gesteigerte Aktivität und Temperatur problemlos auf 10-15 l gesteigert werden.
Bei der Handhabung der schweren Ausrüstung im schwarzen Neoprenanzug, Aufenthalt in der prallen Sonne und bei Tauchgängen in warmem Wasser schwitzen wir stark und verlieren viel Flüssigkeit.

Flüssigkeitsverlust durch die Atmung:
Jeder Mensch verliert Flüssigkeit durch die Atmung (ca. 400ml/Tag).
Bei Atmung von komprimierter Luft (oder anderes Gasgemisch) verliert man noch mehr. Feuchtigkeit wandert immer von feuchten in Richtung trockeneren Zonen, so auch beim Atmen. Die trockene aufbereitete Atemluft in der Tauchflasche zieht auf diese Weise enorm viel Feuchtigkeit aus dem Körper, ohne dass wir dies bemerken. Die trockene Zunge und das Zähe Sekret, das wir nach dem Tauchgang im Mund bemerken, zeugen davon.

Immersionsdiurese:
Jeder Taucher kennt sicherlich diesen Effekt unter Wasser nur allzugut. Bedingt durch den Wasserdruck muss man nach einiger Tauchzeit pinkeln. Die sogenannte Immersionsdiurese (lat. Immersio = Eintauchen, Einbetten, Diurese = Harnproduktion) wird hauptsächlich durch den Wasserdruck und Temperatur ausgelöst. Beide Faktoren triggern eine Zentralisation des Blutes von der Peripherie hin zum Körperstamm. Die Druckrezeptoren signalisieren einen erhöhten Blutdruck, was wiederum eine Hemmung der Ausschüttung bestimmter Hormone auslöst (z.B. Vasopressin) und in einer erhöhten Urinproduktion endet. Man spricht von Taucherdiurese oder vom Henry-Gauer Reflex. Dieser Mechanismus ist ein kardialer Reflex mit volumenregulatorischer Funktion. Er beeinflusst in Abhängigkeit des Füllungszustandes des Herzens die renale Diurese.
Normalerweise beträgt die Diurese (Harnproduktion) beim gesunden Menschen 1000 – 1500 ml pro Tag.

Gastroenteritis:
Normalerweise verliert ein Mensch über den Stuhlgang 100-200 ml Wasser pro Tag.
Die wohl verbreitendste und allerseits bekannte „Touristenkrankheit“, welche in vielen warmen Ländern die Reisenden ereilt, führt zu Durchfall und eventuell auch Erbrechen. Auf beiden Wegen kommt es nicht nur zu einem erheblichen Verlust von Flüssigkeit, sondern auch von Elektrolyten. Letzteres kann zu schweren gesundheitlichen Störungen führen.

Vorerkrankungen:
Manche Krankheiten sind mit einem erhöhten Flüssigkeitsverlust verbunden (z.B. Diabetes mit osmolarer Diurese bei zu hohen Blutzuckerwerten). Auch entwässernde Medikamente (bei Bluthochdruck) haben diesen Effekt. Aber auch Fieber lässt uns stärker schwitzen und führt zu einem erhöhten Wasserverlust.

Unzureichende oder inadäquate Trinkmenge:
Trinken bedeutet nicht immer, dass dem Körper ausreichend Flüssigkeit zugeführt wird. Einige Getränke haben nämlich genau den gegenteiligen Effekt indem sie die Nieren ankurbeln. So zum Beispiel Alkohol (das berühmte Deko-Bier), Kaffee, Schwarztee und Coca-Cola. Im Durchschnitt braucht ein Erwachsener mindestens 2,5 Liter Flüssigkeit pro Tag, ohne dass hierbei körperliche Arbeit einkalkuliert ist. Warmes und bzw. oder heißes Wetter, Tauchen und die damit einhergehenden körperlichen Aktivitäten steigern den Flüssigkeitsbedarf erheblich auf bis zu über 6 Liter pro Tag!

Symptome einer Dehydration

Je nach Ausprägung des Flüssigkeitsverlustes und der Elektrolyt-Dysbalance wird die Dehydration in leicht, mittel oder schwer unterteilt. Wenn wir durstig sind ist es eigentlich schon zu spät – Durst ist das erste Symptom einer beginnenden Dehydration! In schwerer Ausprägung ist Dehydration ein lebensgefährlicher Zustand. Zudem ist bekannt, dass Dehydration das Risiko eine Dekompressionserkrankung zu erleiden erheblich erhöht.

  • Milde Dehydration: Durst, trockener Mund, Kopfschmerzen, verringerte Harnmenge, anormal dunkler Urin, unerklärbare Müdigkeit, Reizbarkeit, Kreislaufschwäche.
  • Mittelschwere Dehydration: u.U. keine Harnproduktion, Lethargie oder starke Schläfrigkeit, Krämpfe, Kollaps, beschleunigte Atmung und Puls, Blutdruckabfall, verringerte Tränenproduktion, trockene Schleimhäute, stehende Hautfalten.
  • Schwere Dehydration: erhöhte Körpertemperatur, Herzrhythmusstörungen, Bewusstlosigkeit, Delir, Tod durch Nierenversagen.

In Zahlen ausgedrückt heisst dies:

5%-10% Wasserverlust: Mattigkeit oder Schläfrigkeit. Kopfschmerzen, Übelkeit, Mißempfindungen wie Kribbeln, Parästhesien

10%-15% Wasserverlust: Spastische Muskelkrämpfe, Hautfalten, Sehstörungen,reduzierte Harnproduktion, beginnendes Delir.

15% Wasserverlust: wird meist nicht überlebt. Tod durch Nierenversagen.

Erhöht Dehydration das Risiko einer Dekompressionserkrankung?

Die Antwort ist eindeutig und es sind sich alle Tauchmedizinern und Hyperbargesellschaften gleichermassen einig: Ja, Dehydration erhöht das Risiko einer Dekompressionserkrankung (DCI) sehr stark.

Die Zusammenhänge zwischen Wasserverlust, Austrocknung und Dekompressionserkrankung wurden in vielen Studien erforscht. So konnte im Schweine- und Rattenmodell gezeigt werden, dass Dehydration in der Tat das allgemeine Risiko einer schweren zuweilen tödlichen DCS erhöht. Im Speziellen erhöhte sich das Risiko eine arterielle Gasemboli zu erleiden und es zeigte sich eine Zunahme der zentralnervösen Symptome. Außerdem manifestierten sich die benannten Symptome deutlich früher und führten schneller zum Tod.

Ein dehydrierterTaucher hat einen beschleunigten Puls und eine schnellere Atmung. Beides führt nachfolgend zu einer gesteigerter Stickstoffaufnahme und dementsprechend höherer Aufsättigung der Körpergewebe mit Stickstoff. Auf der anderen Seite ist die Durchblutung durch die erhöhte Viskosität des Blutes verringert, was die Entsättigung während der Kompression verlängert. Wissenschaftliche Studien an Ratten zeigten, dass Flüssigkeitsaufnahme vor dem Tauchen die Menge an zirkulierenden Gasblasen verkleinern kann – eine einfache Methode um das Risiko einer DCS zu senken! Zudem ermüdet ein dehydrierter Taucher schneller und bekommt eher Muskelkrämpfe.

Trinken
Immer viel trinken (© Zingg-Dive)


Empfehlungen: Trinken und Tauchen

Es ist gar nicht so schwierig rund um die Tauchgänge einen ausreichenden Flüssigkeitsspiegel zu halten. Man muss lediglich viel trinken: am besten Wasser oder isotonische Sportgetränke, die nicht allzu viel Zucker enthalten. Wichtig: Man muss trinken BEVOR man durstig wird!
Ist man durstig, hat der Körperbereits einen Flüssigkeitsmangel.
Denke auch daran Koffein- oder Teein-haltige Getränke wie Kaffee, Cola, Schwarztee und selbstverständlich jeglichen Alkohol vor dem Tauchen zu vermeiden. Auch übermäßiger Alkoholgenuss am Vorabend führt zu Dehydration. Zugegebenermaßen wird eine „gute Bewässerung“ den Harndrang während eines Tauchganges verstärken, aber vermindert tauchsportbedingte Dehydration und Hypovolämie.

Der übelriechendste Urin im Neoprenanzug ist immer noch besser als der leichteste Dekounfall!